Homepage - Über heimat der Wege - ProduktionsTagebuch und Stöbern im Archiv - Grussworte
EinführungHeimat der Wege ist eine kulturelle Selbstbeschreibung der Region Segeberg-Stormarn in Schleswig-Hostein, mitgestaltet und gespielt von ihren Bürger/innen aller Generationen.
Zwei Jahre lang spürte das großangelegte Kulturprojekt mit den Einwohner/innen ihrem Empfinden von Heimat nach. Ziel von Heimat der Wege war es, ihrem vielfältigen Erleben der Region einen künstlerischen Ausdruck zu verleihen. Unter der Anleitung professioneller Kunstschaffender entstanden vier große Inszenierungen – ein Spielfilm, ein Theaterstück, Rauminstallationen und ein Hörspiel – in denen die Menschen der Region von der Dynamik ihres heutigen Lebensgefühls erzählen.
Heimat der Wege wurde angeregt vom Verein für Jugend- und Kulturarbeit im Kreis Segeberg e. V. und unter seiner Trägerschaft in den Jahren 2001 bis 2004 durchgeführt. Die Projektentwicklung und Leitung lag in den Händen der freien Hamburger Theaterproduktionen Norden mit Frank Düwel und Manfred Scharfenstein, die das prinzipielle Konzept lieferten, und Wortspiel mit Sven Schütze. Als Dachprojekt des Regionalen Entwicklungskonzeptes im EU-Kooperationsraum Segeberg-Stormarn, repräsentiert im Verein Holsteins Herz e.V., wurde Heimat der Wege im Rahmen der europäischen Gemeinschaftsinitiative LEADER+ gefördert.
LEADER+ ist ein europaweites Regionalförderprogramm zur nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume. In den Zielsetzungen des regionalen Entwicklungskonzeptes für Erhalt und Verbesserung der Lebensqualität in der Region Segeberg-Stormarn verband Heimat der Wege die drei Säulen Bildung, Kultur und Mobilität und bildete so auch einen sichtbaren Ausdruck des LEADER+-Prozesses.
Für die Realisierung des breitangelegten Vorhabens wurde für das
Projekt eine eigene Produktionsstruktur geschaffen. Sie stützte sich zunächst
auf die Kompetenzen seiner Initiatoren im Bereich kultureller Schaffensprozesse.
Hierbei spielte insbesondere die Erfahrung und Infrastruktur des VJKAs und
seiner Einrichtung, der Jugendbildungsstätte „Mühle“ eine
gewichtige Rolle.
Grundlegend waren auch die langjährigen Erfahrungen von NORDEN und WORTSPIEL in der Erarbeitung kultureller Veranstaltungen außerhalb traditioneller Aufführungskonzepte unter Einbeziehung von Amateuren und Laien in die künstlerische Arbeit.
Im LEADER+-Prozeß wurde das Projekt von der AG „Theater in der Landschaft“ gestützt. In ihr fanden sich leitende Vertreter des Trägervereins, Akteure von Holsteins Herz und engagierte Bürger/innen aus der Region. Hier wie in der regionalen Verankerung des Trägervereins fanden sich zahlreiche Multiplikatoren, um das Projekt in der Region zu etablieren.
Neben den hauptamtlichen künstlerischen Leitern Manfred Scharfenstein und Sven Schütze wurden in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, Büro und Produktionsleitung und für die technische Durchführung drei feste Arbeitsplätze geschaffen.
Für die Arbeit an den Inszenierungen konnten zudem erfahrene Künstler aus den Bereichen Theater, Film, Musik und den bildenden Künsten gewonnen worden.
Ein großer Anteil am Gelingen des Vorhabens lag dann noch in der Teilhabe
von Sponsoren mit Sach- und Geldmitteln und besonders im unentgeltlichen Engagement
zahlreicher Einzelpersonen, sowie staatlicher und privater Institutionen ohne
deren Unterstützung viele Teile des Projektes nicht hätten realisiert
werden können.
Heimat der Wege wurde in zwei prinzipiellen Arbeitsphasen durchgeführt. Den Inszenierungen ging eine Recherche um das regionale Heimatempfinden voraus. Sie begann im Winter 2002 und endete im Sommer 2003 mit der Arbeit an den vier Teilprojekten. Die Produktionen wurden bis zum darauffolgenden Jahr erarbeitet und im Juni 2004 in einem großen Festival in der ganzen Region gezeigt.
Die Kreise Segeberg und Stormarn zeichnen sich durch eine vielfältige Bevölkerungsstruktur und eine wechselhafte Geschichte aus. Ein allgemeines, räumliches oder sprachliches Zugehörigkeitsgefühl ist in der Region kaum auszumachen. Die Vielfalt ihrer Herkunft und Geschichte macht die Bevölkerung zu einer heterogenen Gruppe. Zu ihnen zählen ebenso Kriegsflüchtlinge und ihre Nachkommen, wie Umsiedler aus zeitgenössischen Bevölkerungsbewegungen, Hamburger Geschäftsleute, Gutshofbesitzer in der 7. Generation oder eine große Anzahl von Menschen mit Behinderungen in den Einrichtungen des Landesvereins Rickling. Die unterschiedlichen Geschichten ihrer Herkunft, die freiwilligen und unfreiwilligen Wege, lange Traditionen und junge Existenzgründungen prägen das facettenreiche Gesicht der Region. In einem Alltag, der geprägt ist von Mobilität, medialen Kommunikationsprozessen aus und in alle Welt, europäischer Integration und Globalisierung, bezeichnen die Menschen eine räumlich und sozial bewegte Umwelt, die viele Aspekte eines modernen Lebens im ländlichen Raum wiederspiegelt.
So klar die Region in ihren geografischen Grenzen beschreibbar ist, so vielfältig
sind auch die in ihr gelebten Formen von Heimat. Die Verbundenheit der Menschen
zu ihrer Region drückt sich in unterschiedlichen emotionalen Bezügen
zu ihren Orten, Wegen, Freunden und Bekannten aus. Oft ist Heimat auch nicht
an nur einen Ort gebunden. Der Arbeitsplatz, die Disco in der Großstadt
oder auch mediale Wirklichkeiten sind ebenso Teil heimatlichen Empfindens,
wie für viele Menschen das Unterwegssein selbst Teil ihres Lebensgefühls
geworden ist. Heimat hat so längst ihre traditionellen Begriffsgrenzen
aufgebrochen. Heimat wird in der heutigen Gesellschaft individuell empfunden
und gebildet. Für jeden Einzelnen füllt sich der Begriff mit vielschichtigen
Bezügen zu seiner Umwelt und will authentisch und wahrhaftig gebildet
und erlebt werden. Die Grenzen der Heimat werden selbst definiert und sind
lange kein Spielball nationaler oder ideologischer Interessen mehr. Die Vielfalt
der nebeneinander existierenden Beheimatungen erweist sich als eine permanente
Herausforderung an unsere Gabe mit fremden Lebenswirklichkeiten in den Dialog
zu treten.
In einer modernen, im ständigen Wandel begriffenen Welt ist Heimatempfinden
auch steten Veränderungen unterworfen und oft muß die eigene Heimat
mehr als einmal neu erarbeitet werden. Neben der Erinnerung sind somit auch
immer Zukunftsphantasien Teil unserer räumlichen und sozialen Identität.